
Juliane
saß am Tresen und starrte mit ihren gläsernen
Augen geradeaus in den Spiegel des Getränkeregals.
Von dem was um sie herum passierte bekam sie so gut
wie nichts mit. Sie war viel zu sehr mit ihren Gedanken
um das 'Warum' beschäftigt. So bemerkte sie auch
nicht, wie sich eine Frau neben sie setzte und sie eine
Weile ansah.
"Probleme?" fragte die Frau. Juliane reagierte
erst mit einiger Verzögerung. "Wie?"
fragte sie zurück und drehte ganz langsam ihren
Kopf. "Naja, du sitzt hier so ganz allein und starrst
vor dich hin." Dann deutete die Frau auf das Glas,
was vor Juliane stand. "Und das ist wohl dein Problemlöser.
Ist das Whiskey?" "Whiskey?" fragte Juliane
noch immer weit weg. "Äh, ja. Ich glaube."
Die Frau musterte Juliane ein wenig. Sie sah sich vor
allem Julianes Rückenpartie an, die ihr außerordentlich
zu gefallen schien. "Du hast wohl Liebeskummer.
Bist wohl sitzen gelassen worden. Mach dir nichts daraus,
so wie du aussiehst, findest du schnell jemanden anderen."
"Du hast leicht reden", meinte Juliane, die
langsam aus ihrer Gedankenwelt zurück kam. "Es
war meine große Liebe. Und da kommt so eine dämliche
Kuh und schon ist alles aus." "Du glaubst
nicht, wie oft mir das schon passiert ist", lachte
die Frau. "Erst letzte Woche. Und nun? Ich lasse
meinen Kopf nicht hängen. Irgendwann finde ich
jemand, mit dem ich dann für immer zusammen bin."
Dabei musterte die Frau Juliane erneut. "Du verstehst
nicht", erklärte Juliane und sah der Frau
jetzt direkt ins Gesicht. Dabei bemerkte Juliane, daß
die Frau nicht viel älter als sie selbst war. Sie
sah ausgesprochen hübsch aus.
"Wir wurden überall als das Traumpaar bezeichnet.
Acht Jahre war ich mit Wolfgang zusammen. Acht Jahre!"
Die Frau schluckte, als Juliane den Namen Wolfgang erwähnte.
"Wolfgang? Tja, mit Männern hat man nur Scherereien.
Am besten man spült sie mit einem Glas Whiskey
hinunter und vergißt sie wieder." Die Frau
nahm Julianes Glas und hielt es ihr hin. "Nur zu.
Runter damit und dann laß uns über etwas
Schöneres reden."