
Im
Innern von Rosalinda brodelte es immer stärker.
Und je mehr Regen über ihren Körper floß,
um so mehr wollte sie von dieser bizarren Erregung haben.
Plötzlich hielt Rosalinda inne. Sie spürte,
dass ihre Kraft zum Tanzen nachließ. Sie zog einfach
noch die Gummistiefel aus, die inzwischen voll Wasser
waren. Sie schaute sich kurz um und legte sich auf den
noch warmen Asphalt. Sie streckte alle Glieder von sich
und ließ sich ruhig liegend vom erregenden Regen
umspülen.
Dabei erwartete sie immer wieder einzelne Tropfen in
ihrem Schritt, die möglichst hart dort aufprallen
sollten. Bei jedem einzelnen zuckte sie vor Wollust
zusammen. Gänsehaut überzog ihren Körper.
Doch dann wurde der Regen schwächer. Die Wolken
rissen auf und vereinzelt kam die Sonne durch. Rosalinda
blieb noch eine Weile liegen, bis nur noch wenige Tropfen
ihren Körper trafen.
Klitschnaß stand sie auf, legte ihre wenigen Kleidungsstücke
wieder an und setzte sich so ins Auto. Genauso schnell
wie auf der Hinfahrt fuhr sie wieder zurück. Sie
schlich sich über das Treppenhaus wieder zu ihrer
Wohnung hinauf, ohne gesehen zu werden. Als sie endlich
die Wohnungstüre hinter sich geschlossen hatte,
stieg die Spannung noch einmal. Sie lief ins Schlafzimmer,
um ihr Werk zu vollenden.
Mit Gummistiefeln, Regenmantel und Hut bekleidet legte
sie sich ins Bett, deckte sich zu und schob beide Hände
in ihren Schoß. Doch wichtiger als der Kontakt
zweier Finger mit ihrer erhitzten Stelle war das Gefühl
der Nässe und der Gummikleidung auf der Haut. Nur
wenige Momente später löste sich die Spannung.
Leise stöhnend erreichte sie diesen wunderschönen
Orgasmus, den sie in dieser Intensität mit nichts
anderem erreichen konnte als mit einem warmen Sommerregen
auf der Haut.
Rosalinda blieb danach einfach so liegen. Sie rührte
sich keinen Millimeter. Sie spürte noch immer,
wie die Tropfen über ihre Haut prasselten, wie
sie an ihr herab perlten, sich in ihrem Schritt sammelten
und an ihren Innenschenkel hinunter flossen, auch wenn
sie längst nicht mehr im Regen stand. Aber das
Gefühl der Erinnerung war noch da und es war fast
so stark, wie das Erlebnis selbst.
Rosalinda schloß ihre Augen und verharrte. Sie
wartete auf nichts, sondern genoß die durch Kleidung
und Nässe bedingte Bewegungslosigkeit. Erst sehr
viel später erhob sie sich wieder und stand auf.
Natürlich war ihr ganzes Bett naß geworden
und sie mußte die Bettwäsche wechseln. Doch
das war es ihr wert gewesen und es wird es immer wert
sein. Eine Millionen Tropfen streichelten viel besser
als die beiden Hände von Giancarlo.
So unwillkürlich und unberechenbar war nur die
Natur.